Schottland 2012

Die Cairngorms, Loch Lomond und die Trossachs




Schottland 2012

Nach 4 Streckenwanderungen und einer Radtour (2011- Südschweden) in Skandinavien habe ich mich für den Sommer 2012 für eine Reise nach Schottland (Alba) entschieden. Zuvor war ich noch nicht bei den Briten und war gespannt auf Land und Leute. Das Wetter war in diesem Juni selbst für Schottische Verhältnisse ungewöhnlich regnerisch. Deshalb ist die eine und andere geplante Wanderung in's Wasser gefallen und wurde durch Touristenprogramm ersetzt. Auch hingen die Wolken oft zu tief, um in größere Höhen vorzudringen; dann bin ich in die Täler ausgewichen oder bin erst in den Mittagsstunden aufgestiegen, wenn die Sonne doch noch die Wolkendecke anheben konnte. Dennoch sind 8 Wanderungen mit rd. 110 Km (horizontal), 4250 Höhenmetern und 42 Stunden Gehzeit zusammen gekommen. Einige "Rechnungen" in Schottland sind offen geblieben: Der Süden der Caingorms, Edinburgh (Dun Eideann) und der Norden der Trossachs - Ziele für 2013, wenn nichts anderes dazwischen kommt.

Wohin in Schottland?

Schottland ist nicht klein. Wohin soll man fahren? Reiseführer wie der Wanderführer "Die schottischen Highlands" von John Sykes gliedern das Land systematisch. Die beiden von mir besuchten Nationalparks haben sich mir angeboten, aber es gibt natürlich noch weitere Landesteile wie z. B. die West Highlands oder die Isle of Skye. Man kann sicherlich mehrere Urlaube in Schottland verbringen. Cicerone bietet zwei Guides by Ronald Turnhall an: "Walking in the Cairngorms - Walks, Trails and Scrambles" und "Walking Loch Lomond and the Trossachs - 74 Routes in the national Park". Die Wanderführer beschreiben ausführlich die Wanderziele und -routen in den beiden Wandergebieten.

Die beste Reisezeit

Im Juni sind die Tage in Schottland am längsten, statistisch fällt in diesem Monat am wenigsten Niederschlag, es ist schon ziemlich warm. Die Zahl der Mücken hält sich noch in Grenzen (ab Juli deutlich mehr) und die Briten haben erst ab Juli Schulferien.

Mountaineering/Bergsteigen in Groß Britannien

Bergsteigen hat eine spezielle Ausprägung in Groß Britannien. Die Briten teilen ihre Berge in Munros, Berge von mindestens 3000 Fuß (914,4 Meter), Corbetts (größer 2500 Fuß) und Grahams (größer 2000 Fuß), ein. Bis auf einen Munro können alle ohne bergsteigerische Kenntnisse bestiegen werden. Es gibt die unterschiedlichsten Rekordversuche, etwa die meisten Munros an einem Tag, in einer Woche, schnellster Munroist, alle Munros mit Hund, Frau, Mann oder Mountainbike , alle bis auf einen, alle zweimal etc. Das Buch "The Munros", der Scottish Mountaineering Club Hillwalker's Guide dokumentiert alle Munros mit Standard- und Alternativ-Varianten für den Aufstieg. M.E. ein "Muss" für den Munro-Bagger. Im Internet gibt es eine Reihe von Internet-Seiten, die sich mit dem Munro-Bagging beschäftigen. Das Schöne ist: Fast überall in den Highlands gibt es einen Munro (oder Corbett oder Graham), den man besteigen kann und im Buch oder im Internet findet man immer die Route zum Gipfel.

Wanderkarten

Das British Mountaineering Council (BMC) bietet Wanderkarten im Maßstab 1:40.000 (Meter) an. Die Karten sind auf Kunststofffolien (Polyethylene) gedruckt, und deshalb sehr widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und reißfest. Auch in kartographischer Hinsicht sind die Karten m.E. erstklassig. Die beiden von mir besuchten Gebiete werden abgedeckt von: "British Mountain Map - Cairngorms & Lochnagar" und"British Mountain Map - Southern Highlands". "Tough, light, waterproof"!

GPS-Karten

Digitale Karten gibt es bei Open Streetmap kostenfrei; für die Reise habe ich mir die Velomap Greatbritain (mit Höhenlinien und auch allen Fußwegen auf die Berge) heruntergeladen: Vollständig, aktuell und genau.

GPS - Genauigkeit der "Höhenmeter"-Angaben

Ein Zollstock hat eine Auflösung von 1 mm, Werte für Strecken unterhalb von 1 mm müssen geschätzt werden. Das Garmin GPSmap 62st hat, wenn ich das anhand der GPX-Dateien richtig interpretiert habe, eine Auflösung (kleinste Messeinheit) von 48 cm (was im übrigen sehr bemerkenswert ist, zumal ja geringste Luftdruckänderungen gemessen werden). Das heißt aber nicht, dass dieser Wert "richtig" ist. Der Sensor im Gerät ist ein mechanisches Bauteil, das kleinste Verschiebungen in elektrische Signale umwandelt. Er ist sensibel für Erschütterungen. Selbst, wenn man sich auf einer ebenen Fläche bewegen würde, würde der Sensor wegen der Erschütterungen beim Gehen, zum Teil zu hohe und zu tiefe Werte anzeigen. Die zu hohen Werte (Ausschläge nach Oben) führen zu unrealistisch hohen Angaben des Gesamtanstiegs. Weiterhin sind Höhenänderungen unter - sagen wir mal - einem Meter auf und ab, in Wanderkreisen praktisch ziemlich uninteressant. Die einschlägigen Auswerteprogramme bieten deshalb Filter an, die die Messungenauigkeiten und untergeordnete Höhenänderungen herausfiltern. Die Auswerteprogramme bieten unterschiedliche Filterstufen an; wenn man diese nacheinander anwendet, bekommt man ein Gefühl dafür, welche "Höhenmeter"-Angabe am besten passt. Die "Höhenmeter"- Angaben in den Beschreibungen der Wanderungen auf den folgenden Seiten sind in diesem Sinne gefiltert. Insgesamt gilt: Traue keiner Angabe zu "Höhenmetern", die GPS-Geräte roh ohne Filterung angeben. Auch Höhenmeter-Angaben im Internet sind nicht immer verlässlich. Das ist bedauerlich, weil die Angaben zu den "Höhenmetern" schließlich eine wesentliche Information dazu liefern, wie anstrengend eine Wanderung ist.

Schottisch-Gälisch; der Sprachführer zur Reise.

Es gibt ein - und nur ein - Lehrbuch der schottisch-gälischen Sprache in Deutsch; Autor ist Michael Klevenhaus. Einen Sprachkurs in gespielten Episoden gibt es im Internet hier: Learn Gaelic. 2001 gab es nur noch ca. 60.000 muttersprachliche Sprecher, aber ganz Schottland ist durchdrungen von alten Ortsnamen, die auf die keltische Sprache zurückgehen. Ich mag den Klang der Sprache, den ungewöhnlichen Satzbau und die sprachlichen Konstruktionen. Man will ja auch mal "Danke", " Bitte", oder "Guten Tag" sagen. Auf dieser Reise hat sich das nicht ergeben, aber auf der Isle of Skye wird z.B. noch Gälisch gesprochen. Vielleicht im nächsten Jahr…………..

Die Musik zur Reise, Runrig

Runrig wurde 1973 gegründet. Die Gründungsmitglieder Rory und Calum MacDonald und Blair Douglas sind auf North Uist (äußere Hebriden) aufgewachsen. Donnie Munro, der von 1974 - 1997 Leadsänger der Band war, stammt von der Isle of Skye. Alle 4 sind schottisch-gälische Muttersprachler. Die Musik hat ihre Wurzeln in der traditionellen Musik der Highlands. Das Repertoire reicht von neu arrangierten historischen schottischen Liedern, Songs in Gälisch und Rockmusik, die geprägt ist von der im Keltischen eigenen Rhythmik und Ästhetik der Melodien. Für mich passt nichts besser zu einer Reise nach Schottland, nichts spiegelt das Wesen von Land und Leute in Schottland für mich so authentisch wieder, wie diese Musik und die Lyrik der Stücke. Musik von Runrig höre ich selbst seit mindestens 25 Jahren.

Das Buch zur Reise

Daniel Kahneman - Schnelles denken, langsames denken - die Rückseite: "Wie treffen wir unsere Endscheidungen? Warum ist Zögern ein überlebensnotwendiger Reflex, und warum ist es schwer zu wissen, was uns in der Zukunft glücklich macht? Daniel Kahnemann (Psychologe), Nobelpreisträger und einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit, zeigt anhand ebenso nachvollziehbarer wie verblüffender Beispiele, welchen mentalen Mustern wir folgen und wie wir uns gegen verhängnisvolle Fehlentscheidungen wappnen können."

Straßenverkehr

Die Beleuchtungsanlagen der Autos in Festland-Europa sind für den Rechtsverkehr eingestellt/gefertigt. Im Großbritannischen Linksverkehr können sie blenden. Z.B. beim ADAC oder auf den Kanal-Fähren werden Scheinwerfer-Aufkleber (Eurolites headlamp beam benders) von Eurolites angeboten, die den Rechtsverkehr-Anteil des Scheinwerfers abdecken. Eigentlich sind sie vorgeschrieben; wer korrekt sein will, klebt sie auf. Weiterhin sind britische Autofahrer dazu verpflichtet, Ersatz-Birnen für die Lichtanlage des PKW mitzuführen. Autos mit defekter Beleuchtung sollen stillgelegt werden. Es geht dann keinen Meter weiter - habe ich gelesen. Montage-Werkzeug nicht vergessen! … und dann ist da noch die obligatorische Warnweste! Das in Frankreich vorgeschriebene Alkohol-Blasröhrchen habe ich mir erspart - es ist ebenfalls eigentlich vorgeschrieben. (Hinweis: Der französische Innenminister Manuel Valls hat laut WAZ vom 25. Januar 2013 angekündigt, diese Verpflichtung auf unbestimmte Zeit auszusetzen.) Darüber hinaus habe ich einen Winterreifen als Ersatz mitgenommen; das Pannenkit ab Werk ist bei einer Total-Zerstörung eines Reifens überfordert. Dazu gehört ein Wagenheber, weiterhin Motoröl und Starthilfekabel. An den Links-Verkehr konnte ich mich schnell gewöhnen. Die Briten halten sich sehr genau an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Kontrolldichte ist hoch und so ergibt sich ein entspanntes Fahren ohne Aggressionen auf der Straße - traumhaft. Fußgänger haben absolut Vorfahrt; die Briten halten an, auch wenn keine Fahrzeuge folgen.

Elektrik, Adapter, Autoadapter

Die Steckdosen sehen in Großbritannien anders aus als bei uns; die deutschen Stecker passen einfach nicht hinein. Es gibt Adapter. Auf Campingplätzen haben sich - auch in Deutschland - Cee-Steckdosen durchgesetzt (ursprünglich für industrielle Anwendungen). Adapter zu unseren "normalen" Steckdosen sind im Handel erhältlich. Wer auf die 12-Volt-Steckdose im Auto angewiesen ist, sollte entsprechende Anschlusskabel für Handy, Foto-Batterie und, Akkus (z.B.) für's GPS-Gerät mitnehmen. Für mich hat das ausgereicht, allerdings habe ich darauf achten müssen, die Ladegeräte ständig einzusetzen.